Antonio Delfini

Gedichte vom Ende der Welt,
vom Vorher
und vom Nachher





Teil 1
Vor dem Ende der Welt
Jugendgedichte





Route

1 Ich will fortgehen meine Seele Allein in die Welt die klein ist und ohne Ende werde mir einbilden mich zu verlaufen Und werde immer allein sein Die Leute leisten keine Gesellschaft Nur die Wolke zeigt dir den Weg
2 Doch eines Tages werde ich fortgehen strahlend und feierlich meine stumme Straße entlang ohne Gefährt ohne Gefährten mit einem Scheinwerfer als Führer für die toten Hoffnungen der betrogenen Kindheit
Sommer–Herbst 1930
Warnung

Kommt nicht mit mir denn ich bin allein Und mit Einzelgängern gehen ist wie nachts gehen auf unbeleuchteten Straßen Sie geben euch nichts Was ihr im Leben gebrauchen könntet Es sind arme Leute die nichts zu sagen haben außer mein Gott … mein Gott Ohne Geld oder ohne Ideen die euch was brächten Sie sind alle arm alle sitzengelassen mit einem traurigen Lächeln auf den weißen Lippen Sie können Zeichen geben können stottern aber seltsam ist es immer Ihr würdet da nichts verstehen
Langweilt euch nicht, um Gottes Willen Gebt mir nicht die Schuld An eurer Langeweile
Winter 1931




Gespenst der Kindheit

Mit einem alten Paletot ich erinnere mich ein Kleintier ging ich die Straße lang
Zwei Bücher unterm Arm
Armer Junge Voll Phantasie Zur Schule Dürr und verloren
Und mitten im Nebel Unschlüssiger Schatten Schaute ich nach vorn
Wer weiß bis wo Wer weiß wohin ich da guckte
Schwermut Eines Aufstands Der noch anhalten will
Und ich kam nach Hause zurück Aufgeblasen von nichts
Dann lehnte ich die Stirn ans Dachbodenfenster wollte sehen unten im dunklen Hof das unsichtbare Hin und Her der Leute stumme Erinnerung ans Meer ich Schiffbrüchiger im Matsch und eine Maus schließlich krabbelt abscheulich im Feuchten
Herbst 1930




Nichts zu machen

Lila Nächte entmutigt von Hoffnungen stillen wie ein Platz mit Fußgänger und die drei Läden da hinten
Nächte ohne Zahlen ohne Berechnungen ohne Gedanken
Dom Turm und mein Zuhaus ich will mit dir hier raus
Wir werden Kometen sehen die Sterne den Mond und die alten Kinkerlitzchen
Einen Kuss senden wir dem alten Miesepeter an der Straßenecke
Einen Haufen Seufzer ohne Namen ein Netz von Freuden ohne Vergnügen Lawinen der Schwermut
Düster die düstere Zeit die verrinnt wie ein Strohhalm unter meinem Schuh der fortschmiert
An einem offnen Fenster eine faule Blume betrachtet die Wacht des Herrn
Winter 1931




Und bleibe hier

In der Seele habe ich tausend Sachen weiß nicht ob ein- oder auspacken ich möchte mich von einer Brücke stürzen und dann schwimmen oder die Leute glauben lassen Ich hätt nichts gemerkt
Januar 1915