Route
1
Ich will fortgehen
meine Seele
Allein in die Welt
die klein ist und ohne Ende
werde mir einbilden mich zu verlaufen
Und werde immer allein sein
Die Leute leisten keine Gesellschaft
Nur die Wolke zeigt dir den Weg
2
Doch eines Tages werde ich fortgehen
strahlend und feierlich
meine stumme Straße entlang
ohne Gefährt
ohne Gefährten
mit einem Scheinwerfer als Führer
für die toten Hoffnungen
der betrogenen Kindheit
Sommer–Herbst 1930
Warnung
Kommt nicht mit mir
denn ich bin allein
Und mit Einzelgängern gehen
ist wie nachts gehen
auf unbeleuchteten Straßen
Sie geben euch nichts
Was ihr im Leben gebrauchen könntet
Es sind arme Leute
die nichts zu sagen haben
außer mein Gott … mein Gott
Ohne Geld oder ohne Ideen
die euch was brächten
Sie sind alle arm
alle sitzengelassen
mit einem traurigen Lächeln
auf den weißen Lippen
Sie können Zeichen geben
können stottern
aber seltsam ist es immer
Ihr würdet da nichts verstehen
Langweilt euch nicht, um Gottes Willen
Gebt mir nicht die Schuld
An eurer Langeweile
Winter 1931
Gespenst der Kindheit
Mit einem alten Paletot
ich erinnere mich
ein Kleintier
ging ich die Straße lang
Zwei Bücher unterm Arm
Armer Junge
Voll Phantasie
Zur Schule
Dürr und verloren
Und mitten im Nebel
Unschlüssiger Schatten
Schaute ich nach vorn
Wer weiß bis wo
Wer weiß wohin ich da guckte
Schwermut
Eines Aufstands
Der noch anhalten will
Und ich kam nach Hause zurück
Aufgeblasen von nichts
Dann lehnte ich die Stirn ans
Dachbodenfenster
wollte sehen
unten im dunklen Hof
das unsichtbare Hin und Her der Leute
stumme Erinnerung ans Meer
ich Schiffbrüchiger im Matsch
und eine Maus schließlich
krabbelt
abscheulich im Feuchten
Herbst 1930
Nichts zu machen
Lila Nächte
entmutigt von Hoffnungen
stillen
wie ein Platz mit Fußgänger
und die drei Läden da hinten
Nächte ohne Zahlen
ohne Berechnungen
ohne Gedanken
Dom Turm und mein Zuhaus
ich will mit dir hier raus
Wir werden Kometen sehen
die Sterne
den Mond
und die alten Kinkerlitzchen
Einen Kuss senden wir
dem alten Miesepeter
an der Straßenecke
Einen Haufen Seufzer
ohne Namen
ein Netz von Freuden
ohne Vergnügen
Lawinen der Schwermut
Düster die düstere Zeit
die verrinnt
wie ein Strohhalm
unter meinem Schuh
der fortschmiert
An einem offnen Fenster
eine faule Blume
betrachtet die Wacht des Herrn
Winter 1931
Und bleibe hier
In der Seele habe ich tausend Sachen
weiß nicht ob ein- oder auspacken
ich möchte mich von einer Brücke stürzen
und dann schwimmen
oder die Leute glauben lassen
Ich hätt nichts gemerkt
Januar 1915